Digitale Transformation ist kein IT-Projekt
Nach 15 Jahren in der Unternehmens-IT bin ich überzeugt: Der schwierigste Part in jedem Transformationsprojekt ist nicht die Software. Es ist das Mindset der Menschen, die damit arbeiten sollen.
Wenn Unternehmen über digitale Transformation sprechen, geht es fast immer zuerst um Werkzeuge: welche Software eingeführt wird, welche Prozesse automatisiert werden, welches KI-Modell die Antwort auf alles sein soll. Ich sitze seit 15 Jahren in der IT eines Industrieversicherungsmaklers und trage dort Mitverantwortung für genau diese Transformation. Und die Erfahrung, die sich für mich am hartnäckigsten wiederholt, ist eine andere: Die Technik ist selten das Problem. Das Problem ist, was zwischen den Ohren der Menschen passiert, die sie nutzen sollen.
Der Moment, in dem ein Tool zur Bedrohung wird
Ich habe erlebt, wie die besten Projekte an Ablehnung scheiterten, die nichts mit Bugs oder Bedienbarkeit zu tun hatte. Ein neues System verändert nicht nur einen Prozess – es verändert, wer sich als kompetent erlebt, wer plötzlich wieder wie ein Anfänger dasteht, und wessen Erfahrung über Nacht weniger zu zählen scheint. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob eine Einführung gelingt: nicht in der Feature-Liste, sondern in der Frage, ob Menschen sich sicher genug fühlen, um etwas Neues auszuprobieren, ohne ihr Gesicht zu verlieren.
„Wir scheitern als Menschen nie an der Technik, sondern an unserem Mindset.“
KI-Mindset statt KI-Skills
Das ist der Grund, warum ich in den letzten Jahren angefangen habe viel über KI-Mindset nachzudenken, statt nur über Technologie. Dabei bin ich zu einer Überzeugung gekommen: es geht kaum um Prompt-Syntax, sondern es geht darum gemeinsam zu benennen, was Angst macht, was Neugier weckt, und wo der Unterschied zwischen „das nimmt mir etwas weg“ und „das nimmt mir etwas ab“ liegt. Erst wenn diese Fragen einen Raum bekommen, wird aus einer Bedrohung eine Chance, für jeden Einzelnen und für uns alle. Mindset-Change.
Für mich heißt digitale Transformation deshalb längst nicht mehr: die richtige Software auswählen. Es heißt: Menschen so lange begleiten, bis aus Widerstand Beteiligung wird. Das ist langsamer, unbequemer und lässt sich schlechter in einer Roadmap darstellen – aber es ist die einzige Version von Transformation, die am Ende auch wirklich bleibt. Aus diesem Grund entwickle ich KI-Trainings, die nicht auf die Bedienung einzelner KI- Werkzeuge abzielen, sondern auf ein Mindset-Change. Wenn wir anders denken ergibt sich der Rest von selbst.